Kosten

Was kostet eine Live-in-Betreuung wirklich?

Eine ehrliche Antwort vorweg: Eine legale Live-in-Betreuung (oft „24-Stunden-Pflege" genannt) kostet 2026 in Deutschland realistisch zwischen rund 2.800 € und 3.800 € im Monat. Warum es seriös nicht deutlich billiger geht – und woran Sie ein Lockangebot erkennen –, rechnen wir hier transparent vor.

Warum ein seriöser Preis eine Untergrenze hat

Der Preis ergibt sich nicht aus Willkür, sondern aus dem, was eine legale Beschäftigung kostet. Die Betreuungskraft muss mindestens den gesetzlichen Mindestlohn erhalten. Schon das ergibt eine klare Untergrenze:

RechenschrittBetrag
Gesetzlicher Mindestlohn 202613,90 €/Std.
40-Stunden-Woche (40 × 13,90 €)556 €/Woche
Pro Monat (556 € × 52 ÷ 12)≈ 2.407 €

Schon der reine Lohn für eine 40-Stunden-Woche liegt also bei rund 2.400 € – und das, bevor irgendetwas anderes dazukommt. Hinzu kommen:

  • Sozialabgaben und Versicherung der Betreuungskraft
  • An- und Abreise (die Kraft wechselt meist alle 2–3 Monate)
  • Urlaubs- und Krankheitsvertretung
  • Organisation und Vermittlung

Deshalb landet der realistische Monatspreis bei rund 2.800 bis 3.800 € – je nach Pflegebedarf, Sprachkenntnissen und Qualifikation der Kraft.

Wichtig: Das Bundesarbeitsgericht hat 2021 entschieden, dass auch Bereitschaftszeit als Arbeitszeit zu vergüten ist. Würde man die tatsächliche Anwesenheit rund um die Uhr voll bezahlen, läge der Preis um ein Vielfaches höher. Die üblichen Marktpreise funktionieren nur über vertraglich geregelte Arbeitszeiten.

Was die Familie zusätzlich bereitstellt

Zwei Dinge stellt die Familie kostenlos: ein eigenes, abschließbares Zimmer und die Verpflegung der Betreuungskraft. Das ist Voraussetzung der Live-in-Betreuung – und kein Bestandteil des Monatspreises. Eingerechnet ist das also nicht; bereitstellen müssen Sie es trotzdem.

Vorsicht bei „Komplettpreisen" deutlich unter 2.800 €

Hier liegt die wichtigste Erkenntnis: Wenn ein Anbieter eine „Rundum-Betreuung" für 1.800 € verspricht, kann die Betreuungskraft rechnerisch nicht legal für eine volle Woche bezahlt werden – von Anreise und Vertretung ganz zu schweigen. Entweder kommen später versteckte Kosten dazu, oder die Kraft wird nicht ordnungsgemäß bezahlt. Beides geht am Ende zu Ihren Lasten.

Lassen Sie sich vor Vertragsabschluss immer eine schriftliche, vollständige Kostenaufstellung geben und fragen Sie, wie und wo die Betreuungskraft angemeldet und versichert ist. Mehr dazu in unserem Beitrag 7 Warnsignale unseriöser Angebote.

Was bleibt am Ende für Sie übrig?

Ihr tatsächlicher Eigenanteil ist niedriger als der Bruttopreis, weil Leistungen der Pflegekasse gegenrechnen. Ein Beispiel bei Pflegegrad 4:

PositionBetrag
Live-in-Betreuung (Beispiel)3.500 €
abzüglich Pflegegeld Pflegegrad 4− 800 €
Ihr ungefährer Eigenanteilca. 2.700 €

Zum Vergleich: Der durchschnittliche Eigenanteil für einen Heimplatz liegt häufig bei etwa 3.000 €. Ab Pflegegrad 3 ist die 1:1-Betreuung zu Hause damit in vielen Fällen günstiger – bei deutlich mehr persönlicher Zuwendung. Welche Zuschüsse Ihnen genau zustehen, lesen Sie im Beitrag Welche Zuschüsse Ihnen zustehen.

Alle Beträge sind beispielhaft und beziehen sich auf den Stand 2026. Die tatsächlichen Kosten und Zuschüsse hängen vom Einzelfall und Pflegegrad ab. Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle Beratung – gern rechnen wir Ihren konkreten Fall persönlich durch.

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